Die Bürgerstiftung Halle ehrt heute einen berühmten Sohn, den Bildhauer und Grafiker Gerhard Geyer (1907–1989), auf eine neue, sichtbare Weise. Am Gerhard-Geyer-Weg in Halle-Neustadt wurde ein Zusatzschild angebracht, das Passanten im Vorübergehen über das Leben und Werk des Künstlers informiert. Die Enthüllung durch Halles Bürgermeister Egbert Geier, der das Zusatzschild auch spendete, gab Anlass zu einer kleinen Reflexion über Namensvettern und große Künste.

Gerhard Geyer, geboren am 8. Mai 1907 in Halle, prägte maßgeblich die Kunstszene der DDR. Er verbrachte den Großteil seines Lebens in seiner Heimatstadt, wo er am 9. April 1989 auch verstarb. Seine Ausbildung erhielt Geyer von 1930 bis 1933 an der renommierten Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein in Halle/Saale. Nach dem Zweiten Weltkrieg, den er im Kriegsdienst und in Gefangenschaft verbrachte, setzte er seine freischaffende Tätigkeit als Bildhauer fort.

Geyers künstlerischer Horizont reichte weit über die Grenzen der DDR hinaus. In den 1950er Jahren führten ihn Studienreisen unter anderem nach Bulgarien, Rumänien, aber auch in afrikanische Länder wie Ghana und Guinea. Diese Erfahrungen flossen direkt in sein Schaffen ein, sichtbar in Werken wie der „Afrikanerin mit Kind“ oder „Freies Afrika“, die im Kontext der damals aufkommenden Unabhängigkeitsbewegungen auf dem Kontinent entstanden.

Von 1965 bis zu seinem Tod war Gerhard Geyer ein geschätztes ordentliches Mitglied der Akademie der Künste Berlin (Ost). Dort gab er sein Wissen und seine Erfahrungen als Meisterlehrer an jüngere Künstlergenerationen weiter.

Gerhard Geyer ist vor allem für seine beeindruckenden Bronzeplastiken bekannt. Sein vielfältiges Werk umfasst jedoch auch Medaillen, Zeichnungen und Radierungen. Er schuf sowohl freie Plastiken als auch zahlreiche Werke für den öffentlichen Raum.

Zu seinen prominentesten Werken, die teilweise noch heute das Stadtbild von Halle und darüber hinaus prägen, zählen:

  • „Kopf eines Bergmanns“ (1960)
  • „Afrikanerin mit Kind“ (1961)
  • Das Denkmal „Kleiner Trompeter“ (1990 abgebaut, aber im Stadtmuseum Halle ausgestellt)
  • Der „Eisengießer“ (Bronzeplastik in Halle)
  • Das „Hallorenbrautpaar“ (Bronzeplastik in Halle)
  • Die Plastik „Anne Frank“ (1960)
  • Beeindruckende Reliefs wie der „Kinderkreuzzug“ oder die „Tierkreiszeichen“.
  • Büsten und Denkmäler für historische Persönlichkeiten wie Robert Koch oder Matthias Grünewald.

Die Enthüllung des Zusatzschildes wurde vom Bürgermeister der Stadt Halle (Saale), Egbert Geier, vorgenommen. Dabei kam es zu einer amüsanten, wenn auch kurzen, philosophischen Betrachtung über mögliche Zusammenhänge zwischen den Namensbezeichnungen „Geier“ und „Geyer“. Auf Grund der Kürze der Zeit konnte das Thema nicht tiefgründiger erörtert werden.

Gerhard Geyer bleibt eine zentrale Figur der Bildhauerei in der DDR. Seine Werke sind nicht nur Kunstwerke, sondern auch Zeugnisse einer vergangenen Epoche, die bis heute Einblicke in die Kunstauffassung und die gesellschaftlichen Themen dieser Zeit geben. Mit dem neuen Zusatzschild wird nun auch im Alltag auf die Bedeutung dieses herausragenden Hallenser Künstlers hingewiesen – eine „Bildung im Vorübergehen“.

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