Im Schatten des 500. Jahrestages des Bauernkrieges rücken die archäologischen Ausgrabungen am ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift Kaltenborn erneut in den Fokus. Einst eines der wohlhabendsten Klöster im Harzvorland, wurde die Anlage im Frühjahr 1525 geplündert und zerstört. Doch was die Erde über Jahrhunderte verborgen hielt, kommt nun Stück für Stück ans Licht und gewährt faszinierende Einblicke in eine bewegte Vergangenheit.
Bereits in den vergangenen zwei Jahren widmeten sich archäologische Untersuchungen des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie (LDA) Sachsen-Anhalt den überraschend gut erhaltenen Überresten der einstigen Klosterkirche. Im laufenden Jahr kann die Forschungsgrabung dank der Unterstützung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) sowie des Landes Sachsen-Anhalt im Rahmen des Gedenkjahres „Gerechtigkeyt. Thomas Müntzer & 500 Jahre Bauernkrieg“ fortgesetzt werden.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf der erstmaligen Untersuchung der Wirtschaftsbereiche der ausgedehnten Anlage, ergänzend zu den bereits bekannten Klausurgebäuden. Das Ausgrabungsteam um Grabungsleiter Prof. Dr. Felix Biermann und seinen Stellvertreter Johannes Groß erhält dabei tatkräftige Unterstützung von zahlreichen ehrenamtlichen Helfern sowie Schülern, die im Rahmen ihres Unterrichts praktische Erfahrungen sammeln. Auch die Stadt Allstedt engagiert sich bei dem Projekt.
Bei einem ausführlichen Informationsrundgang erläuterte Prof. Biermann die einzelnen Grabungsfelder und Fundstätten. Neben einem unvollständigen Skelett wurden bislang viele kleinere Artefakte geborgen, deren wissenschaftliche Bewertung noch aussteht. Diese Funde sollen nach Abschluss der Analysen detaillierte Rückschlüsse auf das Alltagsleben im Augustiner-Chorherrenstift vor 500 Jahren ermöglichen – eine Zeit, die von tiefgreifenden politischen und sozialen Umwälzungen geprägt war. Die Ausgrabungen vor Ort in der Gemeinde Emseloh, Stadt Allstedt im Landkreis Mansfeld-Südharz, sollen planmäßig bis zum 12. September 2025 abgeschlossen sein.
Passend zu den Forschungsarbeiten können Interessierte noch bis zum 30. November 2025 die Kabinettausstellung „Klöster geplündert“ im Landesmuseum in Halle besuchen. Die Schau ist Teil der dezentralen Landesausstellung „Gerechtigkeyt 1525“ und konzentriert sich auf Funde und Befunde, die Aufschluss über die Geschichte, das Alltagsleben in den Klöstern und insbesondere die gewaltsamen Ereignisse des Bauernkrieges vor 500 Jahren geben. Die Ausstellung bietet eine wichtige Kontextualisierung der archäologischen Arbeit in Kaltenborn und lädt dazu ein, sich intensiv mit einem prägenden Kapitel der mitteldeutschen Geschichte auseinanderzusetzen.
www.lda-lsa.de
www.landesmuseum-vorgeschichte.de
www.halle-nachrichten.de
www.google.com/maps/search/?api=1&query=51.4915637,11.3910923
#hallenachrichten









Entdecke mehr von Halle Nachrichten
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.