Der gestrige 3:1-Erfolg der cerebricks Volley Goats gegen den Tabellenletzten VCO Berlin vor 726 Zuschauerinnen und Zuschauern in der SWH.arena war nicht selbstverständlich. Während die nackten Zahlen drei wichtige Zähler im Kampf um die oberen Tabellenregionen verbuchen, hinterlässt die Art und Weise des Zustandekommens bei Interims-Coach Lukas Thielemann und seinem Stab an einigen Stellen sicher noch einige Fragen.
Wer vor dem ersten Aufschlag einen souveränen Durchmarsch der „Goats“ erwartet hatte, sah sich zunächst in seiner Prognose bestätigt. Die Hausherren kontrollierten das Geschehen, agierten aus einer stabilen Annahme heraus und ließen dem Gast, der mit dem Rücken zur Wand und ohne spielerische Leichtigkeit anreiste, wenig Raum zur Entfaltung. Doch schon in dieser frühen Phase blitzte jenes Defizit auf, das sich später fast gerächt hätte: eine gewisse Nachlässigkeit im Abschluss und eine fehlende Konsequenz in der Block-Abwehr-Sicherung.
Nach zwei gewonnenen Sätzen schien der Widerstand der Gäste gebrochen, doch das Gegenteil war der Fall. Während die Volley Goats einen Gang zurückschalteten, witterte der Außenseiter seine Chance. Plötzlich fehlte die Präzision im Zuspiel, die Aufschläge verloren an Schärfe und das Team verfiel in eine operative Hektik, die gegen ein Tabellenschlusslicht eigentlich fehl am Platz sein sollte.
Der konsequente Satzverlust im dritten Durchgang war die logische Quittung für eine Mannschaft, die ihre mentale Statik verlor. Es war ein Weckruf zur Unzeit, der deutlich machte, dass in dieser Liga kein Gegner – unabhängig von seiner Platzierung – im Vorbeigehen zu schlagen ist. Die Goats mussten den Umweg über den vierten Satz nehmen, ein Zusatzaufwand, der bei einem kompakteren Auftreten vermeidbar gewesen wäre.
Trotz des schlussendlichen 3:1-Sieges bleibt die Erkenntnis, dass der Weg nach oben derzeit durch hausgemachte Hindernisse versperrt wird. Analytisch betrachtet offenbarten sich drei zentrale Problemfelder, die Thielemann und Fernández in den kommenden Trainingseinheiten adressieren müssen: Die Mannschaft neigt dazu, bei klarer Führung die Zügel schleifen zu lassen. Diese Schwankungen in der Spannungskurve sind gegen Top-Teams fatal. Zu viele unforced errors beim Aufschlag verhinderten gestern immer wieder, dass die Goats längere Punktserien generieren konnten.
Man muss der Mannschaft jedoch zugutehalten, dass sie im vierten Satz die Kurve kriegte. Anstatt in Selbstzweifeln zu versinken, besannen sich die Goats auf ihre physische und spielerische Überlegenheit. Mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung und einer gesteigerten Intensität in der Defensive wurde der Deckel auf die Partie gemacht. Es war ein Sieg der Moral, nicht immer der Ästhetik.
Lukas Thielemann wird wissen, dass dieser Sieg zwar die Tabellensituation verschönert, aber keine Blaupause für die kommenden schweren Aufgaben sein kann. Die Goats haben bewiesen, dass sie auch an „schlechten Tagen“ gewinnen können – eine Qualität für sich. Doch wenn die Ambitionen, sich dauerhaft in der Elite festzusetzen, Bestand haben sollen, muss die Mannschaft lernen, ihre Dominanz über die volle Distanz zu konservieren.
Das „Projekt Neuanfang“ bleibt eine Dauerbaustelle, an der gestern zwar ein weiteres Stockwerk hochgezogen wurde, das Fundament aber noch einige Risse aufweist, die es schleunigst zu verfugen gilt.
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Alle Fotos: Facebook Manfred Boide







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