In der restlos ausverkauften Arena in Halle schlug das Pendel gestern Abend in eine eigene Richtung aus: Während die Anzeigetafel ein ernüchterndes 0:3 gegen den Tabellenvierzehnten SV Warnemünde anzeigte, feierten 1.175 Zuschauer, darunter auch WildCats von der 1. Bundesliga Handball Frauen ein Projekt, welches trotz sportlicher Baustellen längst in der Erfolgsspur angekommen ist. Ein Bericht über frische Seeluft, die Last der Doppelrolle und den Blick in den Rückspiegel.
Manchmal spielt die Tabelle keine Rolle – zumindest nicht, wenn man mit der Unbeschwertheit eines Teams agiert, das nichts mehr zu verlieren hat. Der SV Warnemünde reiste zwar als Schlusslicht an, präsentierte sich in der Saalestadt jedoch als spielstarkes Kollektiv, das förmlich die „frische Seeluft“ der Ostseeküste in die Halle atmete. Angetrieben von einem lautstarken Anhang, der den weiten Weg aus dem Norden nicht gescheut hatte, spielten die Gäste munter auf und ließen sich von der Kulisse in der Halle nicht einschüchtern.
Im krassen Gegensatz dazu wirkten die Hausherren phasenweise blockiert. Die Leichtigkeit, mit der die Goats in besseren Phasen der Saison agiert hatten, war an diesem Abend nur in Ansätzen zu spüren. Einfache technische Fehler und eine spürbare Unkonzentriertheit in der Feinabstimmung führten dazu, dass die Goats alle drei Sätze an die Gäste abgeben mussten. Warnemünde gewann verdient – nicht durch überlegene Physis, sondern durch mentale Klarheit und eine geringere Fehlerquote.
Für Lukas Thielemann markierte dieser Abend das Ende eines kräftezehrenden Kapitels. Nachdem er im Januar nach der Trennung von Cristian Imhoff „in die Bresche“ gesprungen war, endet nun seine Doppelrolle als Geschäftsführer und Cheftrainer. Dass dieser Spagat auf Dauer nicht die Lösung sein kann, ist Thielemann bewusst.
„Den Erstbesten schnell zu nehmen oder irgendeinen Schnellschuss zu fabrizieren, war noch nie unser Ding“. Die Suche nach einem neuen strategischen Kopf an der Seitenlinie genießt nun oberste Priorität. Man nehme sich die Zeit, die es braucht, um jemanden zu finden, der „charakterlich und fachlich“ zur DNA der Goats passt, Thielemann. Parallel dazu laufen die Gespräche mit dem Kader auf Hochtouren – Ziel ist es, ein Gerüst zu bauen, das in der kommenden Spielzeit weniger auf Schützenhilfe der Konkurrenz angewiesen ist.
Trotz der sportlichen Niederlage gegen Warnemünde war der gestrige Abend ein Triumph für den Standort Halle. Der Umzug aus Bitterfeld, die Umfirmierung von den VC Bitterfeld-Wolfen zu den cerebricks Volley Goats Mitteldeutschland – es war ein Schritt, der im Vorfeld für hitzige Debatten gesorgt hatte. Thielemanns Fazit fällt jedoch positiv aus: „Dieser Schritt war zu 100 Prozent richtig. Wir sind super zufrieden, wie wir in der Stadt angekommen sind und wie sich die Zuschauerzahlen entwickelt haben.“
Mit einem Schnitt von über 800 Zuschauern pro Heimspiel und einer gestern ausverkauften Halle zum Finale hat der Verein bewiesen, dass Spitzenvolleyball in Halle eine Heimat gefunden hat. Dass die Fans dem Team auch im Tabellenkeller die Treue halten, ist ein Vertrauensbeweis, der die Vereinsführung in ihrem Handeln bestärkt.
Der Klassenerhalt ist geschafft, das strukturelle Fundament gegossen. Doch für die neue Saison ist die Marschroute klar definiert. Das Ziel ist es, die organisatorische Exzellenz nun auch wieder in sportliche Münze umzuwandeln. Thielemann wünscht sich für die Zukunft „genau das, was dieses Jahr gefehlt hat: mehr sportlichen Erfolg“.
Die Baustellen sind benannt, der Kader wird verstärkt und die Trainersuche läuft mit der nötigen Akribie. Die Fans in Halle und aus der Region haben gestern gezeigt, dass sie bereit sind für das nächste Kapitel. Die Goats müssen nun dafür sorgen, dass der Funke auf dem Parkett ebenso beständig brennt wie auf den Rängen.
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www.hallelife.de/nachrichten/sport/zwischen-emotionalem-hochdruck-und-sportlicher-flaute/www.halle-nachrichten.de
Alle Fotos: Facebook Manfred Boide





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