Es ist einer dieser ersten, verheißungsvollen Frühlingstage, an denen der Norden der Saalestadt schon etwas sein grünes Gesicht zeigt. Doch wer heute genauer in die Gebüsche und Senken des Galgenbergs blickte, sah dort keine Frühblüher, sondern das hässliche Erbe der vergangenen Monate. In einer beispiellosen Freiwilligenaktion rückten heute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtwerke Halle an, um diesem „grünen Kleinod“ seine Würde zurückzugeben.
Es ist längst eine liebgewonnene Tradition, dass die Belegschaft des kommunalen Betriebes die Schreibtische und Werkstätten gegen Müllgreifer und Arbeitshandschuhe tauscht. In ihrer Freizeit und auf rein freiwilliger Basis machten sich die Teams auf, um dort Hand anzulegen, wo die reguläre Stadtreinigung im Alltag oft an ihre Grenzen stößt. Das diesjährige Ziel: Der Große und Kleine Galgenberg – jene markante Erhöhung, die als Naherholungsgebiet bei Jung und Alt gleichermaßen beliebt ist.
Unter der fachkundigen Anleitung der Profis von der Halleschen Wasser und Stadtwirtschaft (HWS) schwärmten die Helfer aus. Was sie dabei zutage förderten, glich stellenweise einem bizarren Kuriositätenkabinett. Es scheint, als sei der Galgenberg für manche Zeitgenossen weit mehr als nur ein Wanderziel – erscheint als illegale Endstation für ausgedientes Mobiliar missbraucht worden zu sein.
Die Bilanz des Tages ist ebenso beeindruckend wie erschreckend: Neben den üblichen Relikten der Zivilisation – unzähligen Flaschen, Plastiktüten und Verpackungen – förderten die Stadtwerker ganze Stühle, Hocker und sogar Teppiche aus dem Dickicht. Ein einsamer Einkaufswagen, der den steilen Hang wohl als letzte Rutschbahn nutzte, wurde ebenso geborgen wie verloren gegangene Reizwäsche. „Man glaubt kaum, was Menschen in der Natur zurücklassen, ohne sich über die Konsequenzen Gedanken zu machen“, kommentierte eine sichtlich erschöpfte, aber zufriedene Helferin, während sie den nächsten Müllsack verknotete.
Mit diesem Einsatz setzen die Stadtwerke ein kraftvolles Zeichen, das weit über die rein berufliche Zuständigkeit hinausgeht. Es ist ein Bekenntnis zu ihrer Stadt. Während die SWH-Teams an jedem anderen Tag im Jahr für die Sauberkeit Halles im Einsatz sind, zeigten die Kolleginnen und Kollegen aus allen Sparten heute, dass ihnen „ihre“ Saalestadt eine Herzensangelegenheit ist.
Dieses Engagement unterstreicht die tiefe Verwurzelung des Unternehmens in der Region. Es geht nicht nur um die Versorgung mit Strom, Wärme oder Wasser – es geht um die Lebensqualität vor der eigenen Haustür. Der Galgenberg atmet nun wieder auf, befreit von den Lasten, die ihm achtlos aufgebürdet wurden.
Der heutige Frühjahrsputz ist jedoch auch ein stiller Appell an alle Hallenserinnen und Hallenser. Die Stadtwerke haben vorgelegt und das grüne Juwel im Norden poliert. Nun liegt es an den Besuchern des Galgenbergs, diesen Zustand zu bewahren. Damit beim nächsten Spaziergang über den Galgenberg wieder der Blick auf die Stadt im Vordergrund steht – und nicht der Blick auf den Unrat im Gebüsch.
Halle ist heute ein Stück sauberer geworden, dank einer Mannschaft, die anpackt, wenn es darauf ankommt.
Alle Fotos unter: Facebook Manfred Boide





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