Wer heute den Technologiepark auf dem Weinberg Campus in Halle war, atmete keine gewöhnliche Laborluft. Es roch nach Aufbruch, nach ungezähmter Neugier und nach jener elektrisierenden Mischung aus Euphorie und Nervosität, die entsteht, wenn brillante junge Geister ihre Visionen in die Realität entlassen. Unter dem Motto „Maximale Perspektive“ bewiesen 63 Schülerinnen und Schüler beim Landeswettbewerb von „Jugend forscht“, dass die oft beschworene Krise der jungen Generation eben an diesen Türen endet.
Es ist eine Investition in die wertvollste Ressource, die dieses Land besitzt: den Mut zur Frage. Denn Investition in die Jugend ist – mehr als jede Aktie oder Immobilie – eine direkte Investition in unsere Zukunft.
Man könnte meinen, 38 Forschungsprojekte aus ganz Sachsen-Anhalt seien lediglich eine statistische Größe. Doch wer durch die Reihen der Stände wanderte, sah mehr als nur Plakate und Modelle. Man sah Lösungen für Probleme, an denen die „Großen“ oft achtlos vorbeigehen.
Die Spannbreite der Diskurse war atemberaubend. Während in der Biologie die Empfindungen von Schnecken mit fast rührender Präzision untersucht wurden, widmete sich andere der optimierten Portionierung von Katzenfutter – Alltagsprobleme, gelöst mit wissenschaftlicher Akribie. Nur einen Stand weiter schien die Zukunft bereits angekommen zu sein: Eine KI-gesteuerte Mülltrennung versprach eine Revolution der Kreislaufwirtschaft, während innovative Konzepte zur Gewinnung von Wasser aus Sonnenenergie Antworten auf die drängendsten Klimafragen unserer Zeit liefern könnten.
Besonders faszinierend: die Ernsthaftigkeit, mit der geforscht wurde. Ob die „Neuerfindung“ von Gummibärchen oder die ökologische Verpackung aus Elefantendung – die Jungforscherinnen und Jungforscher zwischen 10 und 18 Jahren bewiesen eine radikale Offenheit gegenüber neuen Materialien und Methoden.
Dass sich die Teilnehmerzahl am Jugendwettbewerb in Sachsen-Anhalt im Vergleich zum Vorjahr von 207 auf 225 Anmeldungen gesteigert hat, ist ein deutliches Signal: Das Interesse wächst.
In den Fachgebieten Chemie, Technik, Mathematik und Physik stellten sich die Teams einer hochkarätigen Jury. Es ging um mehr als nur Daten; es ging um die Verteidigung der eigenen Idee. In den Gesprächen wurde deutlich, dass diese Jugendlichen keine Angst vor der Komplexität haben. Sie nutzen Vielfalt und Multiperspektivität nicht als Schlagworte, sondern als Werkzeuge, um verkrustete Denkstrukturen aufzubrechen.
Bevor die Landessieger heute ihre Tickets für das Bundesfinale lösten, gehörte die Bühne der Öffentlichkeit. Der Weinberg Campus wurde zum Marktplatz der Möglichkeiten. Hier durfte gedrückt, ausprobiert und hinterfragt werden. Die Jungforscher standen Rede und Antwort – mit einem Selbstbewusstsein, das beeindruckte, aber nie arrogant wirkte. Es ist ein reflektierter Stolz auf das Erreichte.
In einer Zeit, in der oft über den Rückstand Deutschlands in der Digitalisierung oder im Bildungswesen debattiert wird, war dieser Tag in Halle ein dringend benötigtes Korrektiv. Die 63 Teilnehmer zeigten uns: Die Perspektive ist nicht minimal, sie ist maximal.
Sind das die Nobelpreisträger von morgen? Vielleicht. Sicher ist jedoch: Es sind die Problemlöser von heute, die morgen unsere Welt gestalten werden. Und wenn die Zukunft so aussieht, wie das, was heute auf dem Weinberg Campus präsentiert wurde, dann ist uns um den Fortschritt nicht bange. Sachsen-Anhalt hat heute nicht nur Forscher ausgezeichnet, sondern Hoffnungsträger gefeiert.
Die Siegerinnen und Sieger im diesjährigen Landeswettbewerb – Jugend forscht!
Landessiegerinnen im Fachgebiet Arbeitswelt wurden Zoé Leider (16), Agnesa Berisha (16) und Enie Knospe (15) vom Winckelmann-Gymnasium Stendal. Mit Blick auf eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Gastronomie entwickelten sie ein innovatives Kochgeschirr für Induktionsherde. Es schützt vor Verbrennungen, ist ergonomischer geformt als herkömmliche Utensilien und erreicht zudem eine optimierte Energieeffizienz.
Den Chemie-Landessieg errangen Johanna Mathilda Luise Schmidt (18) und Clara Joachimi (18) vom Georg-Cantor-Gymnasium Halle (Saale). An der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg untersuchten sie, ob aus dem Wollfett von Schafen gewonnene Tenside als umweltfreundlicher Zusatz chemische Reaktionen im Wasser verbessern können.
Janis Rapthel (16) vom Georg-Cantor-Gymnasium Halle (Saale) siegte im Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften. Er präsentierte ein neuartiges Konzept zur Begrünung von Hausfassaden. Anstelle von Trägersystemen aus Metall nutzte er spezielle Matten, die direkt an die Hauswand angebracht werden und den Pflanzen als Untergrund dienen. Zusätzlich entwarf er ein integriertes Bewässerungskonzept.
In Mathematik/Informatik konnte sich Johannes Schmidt vom Gymnasium Martineum Halberstadt durchsetzen. Der 18-Jährige entwickelte eine Börsensimulationsplattform für den Einsatz im schulischen Unterricht. Im Gegensatz zu gängigen Softwaretools fördert sie langfristiges, risikoarmes Anlageverhalten und vermittelt Kompetenzen in einem breiten Spektrum an Anlageformen.
Mit dem Physik-Landessieg wurde Nele Schwabe (18) von der Landesschule Pforta in Naumburg ausgezeichnet. An der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg nutzte sie MRT-Messungen, um Wasserströmungen in einer 3D-gedruckten sogenannten Festbettstruktur sichtbar zu machen und ihre Geschwindigkeit zu berechnen. Ihre Absicht war es, Strömungen in komplexen Systemen genau zu verstehen, etwa für optimierte chemische Reaktoren oder künftige medizinische Anwendungen.
Konrad Fassian (15) vom Elisabeth-Gymnasium in Halle (Saale) überzeugte die Jury in Technik. Am Jugendforschungszentrum Heilbronn entwickelte er einen kostengünstigen elektrischen Linearantrieb, der sich präzise ein- und ausfahren lässt und hohe Kräfte erzeugt. Sein Ziel ist es, mehrere solcher Antriebe in ein Rennsimulator-Gestell zu integrieren, um ein Fahrgefühl wie im echten Motorsport zu erzeugen: Beschleunigung, Bremsen und Kurvenlage sollen so für die Nutzenden realistisch spürbar werden.
Nach den Landeswettbewerben im März und April findet das 61. Bundesfinale vom 28. bis 31. Mai 2026 in Herzogenaurach statt. Gemeinsame Ausrichter sind die Stiftung Jugend forscht e. V. und die Schaeffler AG als Bundespate.
https://technologiepark-weinberg-campus.de/
https://mwl.sachsen-anhalt.de/
https://jugend-forscht.weinberg-campus.de/
www.hallelife.de/nachrichten/die-nobelpreistraeger-von-morgen/
https://halle.de/
Alle Fotos: Facebook Manfred Boide








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