Nach intensiven Jahren der Forschung, der Auswertung aufsehenerregender Neufunde und der wissenschaftlichen Aktualisierung öffnet das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle ab morgen seine Tore zur neu gestalteten Dauerausstellung „Bronzerausch“. Was 2008 als Paukenschlag begann, präsentiert sich nun als epochal überarbeitetes Zeugnis einer Zeit, die unserer modernen Gesellschaft auf verblüffende Weise ähnelt.

Bei einer gut besuchten Pressekonferenz präsentierte Landesarchäologe Prof. Dr. Harald Meller im Beisein des Ministers für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt, Rainer Robra, die umfassend erneuerte Schau. Mit Stolz führte Meller die Anwesenden durch die Räume, die das goldene Zeitalter der mitteldeutschen Frühbronzezeit (2300 bis 1600 v. Chr.) neu beleuchten.

Seit der Erstauflage des „Bronzerausches“ sind 17 Jahre vergangen – eine Ära, in der die archäologische Forschung rund um die berühmte Himmelsscheibe von Nebra alles andere als stillgestanden hat.

„In den vergangenen 17 Jahren ist hier Großes geleistet worden“, betonte Prof. Meller in seinen Ausführungen. Die fortlaufenden Untersuchungen, insbesondere zu den reichen Hortfunden und den monumentalen Grablegen dieser Epoche, haben eine Fülle neuer Erkenntnisse hervorgebracht, die eine Neubewertung des gesamten Zeitraums in unserer Region notwendig machten.

Die nun der Öffentlichkeit zugängliche Ausstellung umfasst beeindruckende 850 Exponate und Exponatgruppen. Sie alle dienen als physische Beweise für eine Region, die vor 3000 bis 4000 Jahren ein Zentrum von Reichtum, Macht und weitreichendem Handel war. Neue Funde, wurden frisch in die Erzählung integriert und geben noch tiefere Einblicke in die Handelsbeziehungen und Lebensbedingungen der Menschen in dieser Zeit.

Der wohl aufsehenerregendste Punkt, den Prof. Meller herausstellte, war die bemerkenswerte gesellschaftliche Relevanz der Bronzezeit.

„Die Entwicklungen in der Gesellschaft vor 3000 Jahren, bevor es zur Entstehung von Staaten kam, sind durchaus mit den Entwicklungen in der heutigen Zeit vergleichbar, insbesondere wenn es um Kriege oder gewaltsame Auseinandersetzungen geht“, zog Meller einen überraschenden Schluss.

Die Frühbronzezeit war eine Ära rapider sozialer und wirtschaftlicher Veränderungen: Die Entstehung von Oberschichten, die ihren Status durch den Besitz von Bronze und seltenen Gütern (wie Zinn oder Bernstein) manifestierten, ein intensiver internationaler Warenaustausch und die Notwendigkeit, Wissen (wie jenes, das in der Himmelsscheibe kodiert ist) zu kontrollieren, ähneln frappierend den Dynamiken globalisierter, frühkapitalistischer Gesellschaften. Die Ausstellung soll daher nicht nur die Vergangenheit erklären, sondern auch zum Nachdenken über heutige Strukturen anregen.

Minister Rainer Robra hob die forschungsstarke Position des Landesmuseums hervor und unterstrich die Bedeutung der Dauerausstellung als Aushängeschild für die Archäologie Sachsen-Anhalt mit ihrer weltweiten Strahlkraft.

Die Neugestaltung umfasst nicht nur neue Fundstücke, sondern auch eine grundlegend überarbeitete Szenografie. Die Besucher erwartet ein frisches, modernes Design, das die 850 Objekte in einen neuen Kontext stellt und die Forschungsergebnisse der letzten Jahre didaktisch zugänglich macht.

Auch wenn an dieser Stelle nicht mehr verraten werden soll: Der „Bronzerausch“ ist kein staubiges Geschichtsbuch, sondern ein lebendiges, aktualisiertes Portal in die Vergangenheit, das zeigt, wie tief die Wurzeln von Ungleichheit, globalem Handel und Wissensmacht in unserer menschlichen Geschichte reichen.

Ab morgen ist die Ausstellung für das Publikum geöffnet – ein Besuch ist für alle, die verstehen wollen, wie unsere heutige Gesellschaft ihren Ursprung nahm, wärmstens zu empfehlen.

Öffnungszeiten des Landesmuseum für Vorgeschichte
Dienstag bis Freitag: 09:00 bis 17:00 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertage: 10:00 bis 18:00 Uhr
Montag: nur nach Voranmeldung (Gruppen und Führungen)

https://stk.sachsen-anhalt.de/staatskanzlei-und-ministerium-fuer-kultur/chef-der-staatskanzlei
www.lda-lsa.de
www.landesmuseum-vorgeschichte.dewww.ausstellung-magie.de


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