Mit einem Investitionsvolumen von über einer halben Million Euro startet die Zentralkläranlage Halle-Nord einen großtechnischen Versuch zur Eliminierung von Spurenstoffen. Ziel des Vorhabens ist es, Medikamentenrückstände und Mikroplastik effizienter und kostengünstiger als bisher aus dem Abwasser zu filtern. Damit könnte der Standort zum Vorbild für die Umsetzung der neuen EU-Abwasserrichtlinie werden.
Heute übergab Steffen Eichner, Staatssekretär im Umweltministerium von Sachsen-Anhalt, einen Förderbescheid in Höhe von 552.000 Euro an Projektleiter Prof. Dr. Jürgen Wiese. Das bis Ende 2028 angelegte Projekt soll klären, wie die sogenannte „vierte Reinigungsstufe“ wirtschaftlich tragfähig betrieben werden kann.
Der Hintergrund des Großversuchs ist die novellierte EU-Kommunalabwasserrichtlinie. Diese zwingt Betreiber künftig dazu, feinste Verunreinigungen zu entfernen, die durch herkömmliche Klärverfahren nicht erfasst werden. „Die demografische Entwicklung führt zu einem höheren Medikamenteneintrag, gleichzeitig belasten Mikroplastik und Reifenabrieb den Wasserkreislauf“, erklärte Eichner bei der Übergabe. Bisher galten entsprechende Reinigungsverfahren jedoch als energieintensiv und kostspielig.
In Halle werden nun zwei technologische Ansätze im industriellen Maßstab verglichen, die ihre Wirksamkeit im Labor bereits bewiesen haben:
- Funktionalisierte Keramikmembranen: Ein Konsortium aus der Hochschule Magdeburg-Stendal und Industriepartnern wie der Nanostone Water GmbH nutzt beschichtete Keramikfilter, die spezifische Wirkstoffe wie Medikamente gezielt binden.
- UV-Oxidation: Die Gesellschaft zur Förderung von Medizin-, Bio- und Umwelt-Technologien (GMBU) testet ein Verfahren, bei dem Schadstoffe durch eine Kombination aus Oxidationsmitteln und ultravioletter Strahlung chemisch aufgebrochen und unschädlich gemacht werden.
Für die Stadtwerke Halle ist der Versuch ein weiterer Baustein in der Modernisierung der Anlage. Matthias Lux, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke Halle, betonte die Rolle der Kläranlage als Innovationsstandort. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass in Halle-Nord eine Großwärmepumpe installiert werden soll, um die Restwärme des Abwassers für das städtische Fernwärmenetz zu nutzen.
Durch die enge Vernetzung des Kompetenzzentrums Wasserwirtschaft sollen die in Halle gewonnenen Daten zügig auf andere Standorte in Mitteldeutschland übertragen werden. Gelingt der Versuch, könnte Halle den Beweis liefern, dass schärferer Umweltschutz nicht zwangsläufig zu explodierenden Abwassergebühren führen muss.
www.stadtwerke-halle.de
www.hallelife.de/nachrichten/halle-testet-klaertechnik-der-zukunft/







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