Es war ein Abend, der unter dem Hallendach der SWH.arena weit mehr transportierte als nur ein einfaches Handballspiel. Im letzten Heimspiel der diesjährigen Play-off-Runde empfingen die Wildcats den BSV Sachsen Zwickau zu einem Ostderby, das trotz festgefügter tabellarischer Vorzeichen von einer fast elektrisierenden Intensität getragen wurde. Vor 778 begeisterten Zuschauern feierte die Mannschaft von Trainerin Ines Seidler ein spielerisches Offensiv-Feuerwerk und sandte beim deutlichen Heimsieg ein unüberhörbares Signal des Kampfgeistes in Richtung der bevorstehenden Relegation.
Die Ausgangslage vor dem Anpfiff war von paradoxer Natur. Seit dem vergangenen Wochenende steht unumstößlich fest, dass die Hallenserinnen den schweren Gang in die Relegation antreten müssen, um sich den Verbleib im Oberhaus zu sichern. Die Gäste aus Zwickau, derzeit auf Rang acht dotiert, reisten indes mit dem sicheren Gefühl des bereits gefeierten Klassenerhalts und völlig ohne Druck an. Doch wer geglaubt hatte, das Derby würde zu einem lauen Sommerkick verkommen, sah sich getäuscht. Aufgeben existiert in der DNA der Wildcats nicht. Die Marschroute war klar: Sich mit Anstand, Leidenschaft und erhobenem Haupt vom treuen Heimpublikum zu verabschieden und zugleich das Fundament für den kommenden Showdown zu legen.
Zudem wohnte dem Duell eine ganz besondere Note bei: Der künftige Cheftrainer der Wildcats saß erstmals live auf der Tribüne der SWH.arena. Es war die erste Visitenkarte, die seine zukünftige Equipe abzugeben hatte – und sie geriet zu einem glanzvollen Bewerbungsschreiben.
Was die Zuschauer in der tropisch aufgeheizten Arena in den ersten 30 Minuten zu sehen bekamen, war Tempohandball in seiner reinsten und ästhetischsten Form. Unter schwierigen klimatischen Bedingungen, die das Parkett immer wieder zu Wischerpausen zwangen und das Derby zu einer der längsten Partien der Saison machten, behielten die Wildcats indes einen kühlen Kopf.
Angeführt von einer überragenden Emma Hertha, die in der ersten Hälfte wie entfesselt aufspielte und allein sieben ihrer Treffer erzielte, überrannten die Hausherrinnen die sächsischen Gäste förmlich. Das Trio aus Tina Wagenlader, Cara Reuthal und Viktoria Marksteiner initiierte immer wieder blitzschnelle, konsequent zu Ende gespielte Gegenstöße. Binnen weniger Minuten leuchtete ein fahriges 8:3 von der Anzeigetafel.
Die aggressive, griffige Deckung der Hallenserinnen provozierte beim BSV reihenweise technische Fehler, die eiskalt bestraft wurden. Mit einer im Vergleich zu den Vorwochen dramatisch verbesserten Passsicherheit kombinierten sich die Wildcats in einen Rausch und verabschiedeten sich mit einer fulminanten 22:12-Führung in die Kabinen.
Nach dem Seitenwechsel stabilisierte sich das verletzungsbedingt geschwächte Team aus Zwickau zwar physisch und bewies beachtliche Moral, doch die Kontrolle verblieb fest in hallescher Hand. Selbst als die Gäste Mitte der zweiten Halbzeit auf 31:19 verkürzen konnten, geriet der Heimerfolg zu keinem Zeitpunkt ins Wanken.
Gestützt auf eine weiterhin energische Abwehr und glänzende Paraden der Torhüterinnen, spielten die Wildcats ihre Schnelligkeit und Durchsetzungsfähigkeit im Angriff bis zur letzten Sekunde aus. Es war jenes bedingungslose Spiel, das unabhängig vom Spielstand die absolute Konzentration einfordert. Zwickau hatte an diesem Abend dem kollektiven Willen der Saalestädterinnen nichts mehr entgegenzusetzen.
Als die Schlusssirene ertönte, entlud sich der Jubel in der SWH.arena. Die Wildcats haben bewiesen, welches spielerische Vermögen und welches Potenzial in dieser Mannschaft stecken, wenn Konstanz und Glaube über die vollen 60 Minuten synchron laufen.
Dieser furiose Derby-Sieg ist die perfekte psychologische Rampe für die nun anstehenden Aufgaben in der Relegation. Auch wenn der Weg zum endgültigen Klassenerhalt nicht einfacher wird: Treten die Wildcats mit genau dieser Konzentration, dieser spielerischen Finesse und diesem unbedingten Willen auf, besitzen sie jede Chance, ihren Platz in der Beletage des deutschen Handballs zu verteidigen. Der gestrige Abend war kein Abschied, sondern das Versprechen auf einen heißen Kampf um die Zukunft.
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Alle Fotos unter: Facebook Manfred Boide







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