Zwischen Wehmut und Vorfreude: Die Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr in Halle-Nietleben nehmen Abschied von ihrem alten Gerätehaus. Mit einer „Abrissparty“ wird der Weg frei für einen modernen Neubau, der die Sicherheit im Quartier für die kommenden Jahrzehnte garantieren soll. Doch bevor die neue Wache steht, wartet auf die Truppe eine logistische und emotionale Bewährungsprobe.

Es duftet nach frisch gebrühtem Kaffee, nach kühlem Bier und natürlich nach der obligatorischen Rostbratwurst, die auf keinem Fest der Region fehlen darf. Die Stimmung auf dem Gelände der Freiwilligen Feuerwehr Halle-Nietleben ist ausgelassen, doch wer genau hinsieht, erkennt in den Gesichtern vieler Kameraden auch einen Hauch von Nostalgie. Es ist ein Fest des Abschieds – eine Abrissparty, die den Schlusspunkt unter die Geschichte des alten Feuerwehrgerätehauses setzt.

Dass Freud und Leid an diesem Tag eng umschlungen sind, liegt in der Natur der Sache. Das alte Gebäude, samt seiner über die Jahre gewachsenen Anbauten, war für die Einsatzkräfte weit mehr als nur ein Zweckbau. Es war ihr Stützpunkt, ihr Treffpunkt und das Zentrum einer eingeschworenen Gemeinschaft. Doch die Realität lässt keinen Spielraum für romantische Verklärung: Die Bausubstanz ist massiv in die Jahre gekommen, die technischen und räumlichen Kapazitäten hielten den wachsenden Anforderungen an eine moderne Brand- und Katastrophenschutzbekämpfung schon lange nicht mehr stand.

Mit der Entscheidung für einen umfassenden Neubau am alten Standort setzt die Stadt Halle nun ein unmissverständliches Zeichen. Diese Investition ist keine bloße Modernisierungsmaßnahme, sondern ein klares Bekenntnis zur unabdingbaren ehrenamtlichen Arbeit der Feuerwehr. Es unterstreicht die Verantwortung der Kommune für die Sicherheit ihrer Bürgerinnen und Bürger und stattet die Retter künftig mit jener Infrastruktur aus, die sie für ihre oft lebensrettenden Einsätze benötigen.

Bis die Rolltore des neuen, hochmodernen Domizils sich das erste Mal öffnen, steht der Nietlebener Wehr jedoch eine herausfordernde Zeit bevor. In den kommenden Jahren müssen die Mitglieder ein temporäres Ausweichquartier beziehen. Was pragmatisch klingt, ist für das innere Gefüge einer Freiwilligen Feuerwehr ein Stresstest. Gerade bei den lokalen, kleineren Wehren ist der direkte, unkomplizierte Zusammenhalt – das schnelle Zusammenkommen nach dem Dienst, der kurze Schnack in der vertrauten Fahrzeughalle – der Kitt, der die Truppe zusammenhält.

Die räumliche Veränderung und die damit verbundene Übergangszeit werden den Kameradinnen und Kameraden einiges an Flexibilität und Improvisationstalent abverlangen. Doch die Aussicht auf das, was am Ende dieses Weges steht, dient als starker Motivator. Das neue Gerätehaus wird nicht nur modernsten einsatztaktischen Standards entsprechen, sondern auch wieder ein echtes angemessenes Zuhause für die Feuerwehrfamilie werden.

Wenn heute in Nietleben bei Kaffee und Kuchen das alte Gemäuer verabschiedet wird, dann feiert die Stadtgesellschaft im Grunde bereits die Zukunft. Der Abriss ist hier kein Ende, sondern das dringend benötigte Fundament für ein Projekt, das am Ende allen zugutekommen wird: der Kameradschaft der Retter, der Stadt Halle und vor allem den Menschen in der Saalestadt, die sich auch in Zukunft auf ihre Feuerwehr verlassen können.

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Alle Fotos unter: Facebook Manfred Boide


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