Das war ein Handball-Krimi, der niemanden auf den Sitzen hielt: In einem packenden Bundesligaduell bot der SV Union Halle-Neustadt dem favorisierten Tabellennachbarn VfL Oldenburg über 60 Minuten die Stirn. Nach einer wahren Achterbahnfahrt der Gefühle und einer furiosen Aufholjagd schrammten die Hallenserinnen vor 754 begeisterten Zuschauern in der SWH.arena hauchdünn an einer faustdicken Überraschung vorbei.

Wer am Mittwochabend den Weg in die SWH.arena gefunden hatte, erlebte 1. Liga-Handball mit all seinen Facetten: Leidenschaft, taktische Härte, Führungswechsel und ein Herzschlagfinale, das an Dramaturgie kaum zu überbieten war. Mit dem VfL Oldenburg hatten die Gastgeberinnen einen echten Prüfstein vor der Brust. Während die Gäste als ambitioniertes Top-Team anreisten, stecken die Wildcats in der „Todeszone“ der Tabelle fest und brauchen jeden Zähler im Kampf um den Klassenerhalt.

Die Partie begann ganz nach dem Geschmack der halleschen Anhänger. Hochkonzentriert, aggressiv in der Abwehr und mit klaren Aktionen im Angriffsspiel legten die Wildcats los wie die Feuerwehr. Doch ein Match auf Bundesliga-Niveau verzeiht keine kleinen Unkonzentriertheiten: Im weiteren Verlauf des ersten Durchgangs geriet der Rhythmus ins Stocken. Das Spiel entwickelte sich zu einem intensiven, kampfbetonten Abnutzungskampf, in dem sich beide Teams nichts schenkten. Phasen starker Offensivaktionen wechselten sich mit Fehlern und Ballverlusten ab – ein echtes Wellenbad der Gefühle für die sportliche Leitung an der Seitenlinie.

Oldenburg spielte seine Routine aus, schien das Spiel phasenweise zu kontrollieren und drohte, die Punkte einzusammeln. Doch die Wildcats gaben sich zu keinem Zeitpunkt geschlagen. Getragen von der lautstarken Kulisse der 754 Zuschauer warf die Mannschaft in der Schlussphase noch einmal alles in die Waagschale.

Was dann folgte, war eine fulminante Aufholjagd: Tor um Tor kämpften sich die Hallenserinnen heran, blockten hinten leidenschaftlich und nutzten jede Lücke im gegnerischen Deckungsverbund. Wenige Minuten vor dem Abpfiff brandete Jubel in der Arena auf – den Wildcats gelang tatsächlich der Ausgleich zum 32:32. Die Sensation lag greifbar nah in der Luft.

Doch der Bundesliga-Dauerbrenner aus Oldenburg bewies in den allerletzten Sekunden die abgeklärteste Nervenstärke. Mit dem finalen, clever ausgespielten Angriff nutzten die Gäste die verbleibende Lücke eiskalt und entrissen den Hallenserinnen mit dem Schlusstreffer zum 33:32 im allerletzten Moment den sicher geglaubten Punktgewinn.

Die Enttäuschung über die Sekunden-Niederlage wich nach Abpfiff schnell dem Stolz auf eine grandiose kämpferische Leistung. Die Wildcats haben eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass sie absolut das Potenzial besitzen, mit den Top-Teams der Liga auf Augenhöhe zu agieren.

Dass in der Endabrechnung am Ende ein oder zwei Zähler auf Grund von Auslassungen und Fehlern im Abschluss liegen blieben, wird die mannschaftliche Aufarbeitung mit dem Trainerteam zeigen. Wenn die Hallenserinnen diesen unbändigen Willen und die gezeigte spielerische Qualität in die kommenden Aufgaben konvertieren, ist den Fans um den Klassenerhalt nicht bange. Der Weg zeigt unverkennbar nach oben.

www.union-halle.net
www.vfl-oldenburg-handball.de/

Alle Fotos: https://photos.app.goo.gl/5xMkgoWVzFkiATDj8


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